Workshop „Intraindividuelle Variation in der Sprache“

Von 24. bis 26. April 2019 fand an der Paris Lodron Universität Salzburg der FAU-Internationalisierungsworkshop „Intraindividuelle Variation in der Sprache“ statt (Programm siehe hier).

Der Workshop wurde gemeinsam vom Department Germanistik und Komparatistik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Markus Schiegg und Alexander Werth) und den Fachbereichen für Germanistik sowie Anglistik und Amerikanistik der Paris Lodron Universität Salzburg (Lars Bülow und Simone Pfenninger) organisiert. Weiterhin wurde das Symposium durch die Internationale Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen e.V. (IGDD) unterstützt.

Während sich die meisten TeilnehmerInnen bereits am Mittwochabend zum gemeinsamen Warm-Up in einem nahegelegenen Restaurant getroffen hatten, begann der eigentliche Workshop am Donnerstagmorgen an der Universität Salzburg – mit einmaligem Blick auf die Festung Hohensalzburg (siehe Bild). Der Workshop setzte sich mit dem Thema intraindividuelle Sprachvariation auseinander und bezog dabei die Perspektiven verschiedener linguistischer Teildisziplinen ein: Melanie Weirichs (Jena) Vortrag zur Variation auf phonetischer Ebene in der Elternzeit leitete das erste Rahmenthema Spracherwerb ein. In den Präsentationen von Maria Kliesch (Zürich), Christiane Ulbrich (Konstanz) und Simone Pfenninger (Salzburg) wurden verschiedene linguistische und außerlinguistische Faktoren aufgezeigt, mit denen intraindividuelle Variation im Zweitspracherwerb erklärt werden kann.

Beginnend mit Marie-Luis Mertens (Paderborn) Beitrag rückte die intraindividuelle Variation in historischem Sprachmaterial ins Zentrum der Betrachtung. In den darauffolgenden Vorträgen präsentierten Anna Havinga (Bristol) und Markus Schiegg (Erlangen) ihre Analysen von historischen (Privat-)Briefen ‚einfacher Schreiberinnen und Schreiber‘ aus dem 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert. Das gezeigte historische Material verdeutlichte, dass individuelle Variation auf allen linguistischen Ebenen zu finden ist, was deren Relevanz für die historische Soziolinguistik untermauert. Anita Auer (Lausanne) erweiterte die soziolinguistische Perspektive um jene der heritage linguistics und zeigte intraindividuelle Variation in historischen Sprachaufnahmen, die um 1920 und 1960 im amerikanischen New Glarus, Wisconsin aufgenommen wurden. Das Dorf wurde 1845 von Immigranten aus der Schweiz gegründet. Abends trafen sich die TeilnehmerInnen zu einem gemeinsamen Spaziergang durch die Salzburger Altstadt und zum Conference Dinner.

Der zweite Tag begann mit Johanna Fanta-Jendes (Wien) Vortrag, in dem sie zeigte, dass auch ‚Situation‘ die intraindividuelle Variation in der Mündlichkeit beeinflusst. In der von Alexander Werth (Bonn/Marburg/Erlangen) moderierten Diskussionsrunde wurde anschließend insbesondere die Frage nach der Existenz der ‚freien Variation‘ und ggf. deren Abgrenzung zur ‚random variation‘, ‚unsystematischen Variation‘ und ‚systematischen Variation‘ behandelt. Ebenso thematisiert wurde die mögliche Bedeutung von Einflüssen wie Aufmerksamkeit und Müdigkeit für die Entstehung intraindividueller Variation in historischen Briefen. Der letzte thematische Block, intraindividuelle Variation auf morphologischer und syntaktischer Ebene, wurde durch Grit Nickel (Eichstätt), Lars Bülow (Salzburg) und Oliver Schallert (München) vertreten. Lars Bülow präsentierte außerdem eine vorläufige Typologie der intraindividuellen Variation, die gemeinsam diskutiert wurde.

Text: Julian Mader, Studentische Hilfskraft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.